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Donnerstag - 7. März 2013 | 23:20

Claudia Heeb-Fleck: «Ein Staat muss Interesse an Chancengleichheit haben»

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SCHAAN - Claudia Heeb-Fleck, Geschäftsführerin der Informations- und Kontaktstelle für Frauen, kurz Infra, äussert sich im «Volksblatt»-Interview über die grössten Herausforderungen in puncto Gleichstellung und kritisiert den Status quo der Situation der Stabsstelle für Chancengleichheit.

«Volksblatt»: Frau Heeb-Fleck, der Weltfrauentag ist dazu da, die Gleichstellung und Chancengleichheit zwischen Mann und Frau anzumahnen. Wir haben in Liechtenstein die Situation, dass die Stabsstelle für Chancengleichheit seit Jahren unterbesetzt ist. Sie engagieren sich mit vielen anderen Liechtensteinern dafür, dass sich die Situation ändert und bessert. Was für Auswirkungen hat die momentane Situation?

Claudia Heeb-Fleck: Bedenkt man, wie viele Baustellen es noch gibt, bis die faktische Gleichstellung von Frauen erreicht ist, so ist es fahrlässig, wenn die nötige Infrastruktur nicht gegeben ist, um wirksam zu arbeiten. Der Staat hat den gesetzlichen Auftrag, Gleichstellung und Chancengleichheit zu fördern, entsprechende Kampagnen zu lancieren, wirksame Massnahmen zu ergreifen und falls nötig Studien in Auftrag zu geben. Zusätzlich bestehen auch internationale Verpflichtungen. Die UNO hat übrigens schon vor der Unterbesetzung der Stabsstelle bemängelt, dass Liechtenstein für die Gleichstellungsarbeit zu geringe Kapazitäten zur Verfügung stellt.

Da Sie soeben den Staat angesprochen haben: Hier kann man auch nicht unbedingt von einer ausgeglichenen Vertretung der Frau sprechen.

Nein. Auf politischer Ebene besteht grosser Handlungsbedarf. Wir haben bald, oder besser wohl erst, seit 30 Jahren das Frauenstimmrecht, die politische Vertretung von Frauen lässt aber immer noch sehr zu wünschen übrig. Es wirft leider kaum grosse Wellen, dass bei der letzten Landtagswahl statt eines knappen Drittels nur noch 26,5 Prozent Frauen kandidiert haben und es statt 24 Prozent gewählter Frauen nur noch 20 Prozent sind. Dass die umgekehrte Situation, also 80 Prozent Frauen und 20 Prozent Männer im Landtag einfach so hingenommen würde, ist schlichtweg undenkbar. Bei 50 Prozent Frauen in der Gesellschaft muss es Ziel sein, dass auf den Wahllisten gleich viele Frauen wie Männer stehen. In diesem Bereich sind wir zum Beispiel auch von der UNO aufgefordert worden, wirksame Sondermassnahmen zu ergreifen. In der Wirtschaft ist die Situation noch krasser: In den Liechtensteinischen Verwaltungsräten sind Frauen praktisch inexistent. Auch ein Blick auf die Lohnungleichheit gibt keinen Anlass zur Freude. Es bleibt also viel zu tun und dafür braucht es personelle Ressourcen und griffige Massnahmen.

Bleiben wir bei der Lohnungleichheit. Die wird seit Jahren angeprangert, aber es bewegt sich nicht viel.

2010 haben wir am Internationalen Frauentag Massnahmen gefordert, um die Lohndifferenz auf 15 Prozent abzubauen und zwar bis zum 8. März 2012. Aktuell beträgt die Lohnungleichheit in Liechtenstein immer noch 17,8 Prozent. Was dabei besonders frappierend ist: Je besser die Qualifikation, desto grösser die Lohnunterschiede. Also gerade im Bereich Management sind die Lohnunterschiede noch krasser.

Vielfach wird hier entgegengehalten, dass die Frauen durch die Geburt und die anschliessende Elternzeit weniger Berufsjahre hätten und die Differenz auch aus diesem Grund bestünde.

Es ist mehrfach nachgewiesen, dass auch unter Berücksichtigung dieser Faktoren – also der unterschiedlichen Berufserfahrung und -qualifikation – ca. 40 Prozent dieser Lohnungleichheit nicht erklärbar und somit auf eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechtes zurückzuführen ist.


 

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